Ruachmutter oder Heiliger Geist?



Häretische Gedanken eines magdalenischen Christen zum Pfingstfest



Die Ruachmutter im AT. 1

Von der Ruachmutter des ATs zum Heiligen Geist im NT. 3

Die Ruachmutter in der Gnosis. 3

Ruach in der Ikonographie. 4

Ruach in der christlichen Tradition. 5

Ruach und Maria Magdalena. 5

Die Ruachmutter und Maria Magdalena bei der Taufe Jesu. 6

Die Ruachmutter im AT

Aus einem Liederbuch des CVJM, wo ich als junger Erwachsener Mitglied war, kenne ich eine bemerkenswerte Abbildung des Heiligen Geistes. Sie befindet sich neben dem wunderschönen Lied „Ruach“ und stellt eine Frau dar mit langem wehenden Haar, worin sie einen Säugling behütet. Es war völlig unzweifelhaft, dass es sich bei ihr um eine Darstellung des Heiligen Geistes handelt! Was mich damals noch verwunderte, war später der Anlass, diesem Pro­blem etwas weiter nachzuspüren. Denn der Heilige Geist, die Ruach, ist tatsächlich ein Prob­lemfall – aber ein sehr aufschlussreicher! Dies fängt schon bei der Bezeichnung an: Manche feministische Theologinnen nennen „ihn“ gerne die „Heilige Geistin“, und das nicht ohne Grund. Laut der Studie von Dreytza existiert der Begriff rûah (oder „rwh“) 387 Mal im AT. Knapp 200 Belege können für einen femininen Gebrauch in Anspruch genommen werden, nur 63 für den maskulinen – der Rest ist ungeklärt oder lässt sich nicht einordnen.[1] Durch die Jungfrauen­legende von Lukas im NT erfuhr der Begriff im paulinischen Chris­tentum eine sehr willkürliche Zuordnung als (männlicher) Geist Gottes, die sowohl der Mehrzahl des ATlichen Gebrauchs als auch des grammatikalisch weiblichen Artikels und symbolkundlichen Erkenntnissen hohnlacht. Denn nicht nur die Gnostiker, sondern auch die Juden und Judenchristen wie Edith Stein und andere be­trachteten die Ruach traditionsgemäß als weiblich, ja verstehen sie bis heute als Ruachmutter.

In der deutschen Sprache wird vom Heiligen Geist traditionell als von einem „Er“ gesprochen, weil das lateinische Wort für „Geist“ spiritus lautet, und dieses ist von männlichem Geschlecht. Die Vul­gata, die auf Hieronymus zurückgehende lateinische Bibelüberset­zung, war die Grundlage für die viele Jahrhunderte späteren Überset­zungen ins Deutsche, die ja nicht vor dem 14. Jahrhundert erfolgten. Jedenfalls, diese Übersetzungen ignorieren die Tatsache, dass die Ruach im Judentum traditionell weiblich ist.

Es war vor allem das NT in überarbeiteten Fassungen des Neuen Bundes, welches durch Benennungen und Umbenennungen von Or­ten, Menschen und Bewegungen deren Identität und Stellung verän­derte, um sie klar als christlich und nicht einer jüdischen Interessen­gruppe angehörig zu deklarieren.

Es beginnt mit der Veränderung der semitischen Namen in grie­chische Namen. Der messianische (christliche) Glaube selbst war kein neues Konzept. Abraham selbst war messianisch. Er glaubte an einen Messias, der die Erlösung brachte; er schaute einfach nach vorn, während wir zurückblicken. Im Neuen Bund sahen sich die Mitglieder genötigt, hauptsächlich oder scheinbar grie­chische Na­men zu verwenden. Der griechische Name aber ist in den meisten Fällen nur eine sehr unbestimmte Anspielung auf den ur­sprünglichen heb­räi­schen Namen, sowohl in Aussprache als auch Assoziation. So­wohl im Griechischen und Englischen ist „Geist“ ein sächliches, geschlechts­neutrales Hauptwort. Und bei einem solchen Substantiv denken wir mehr an „es“ denn als an „er“ oder „sie“. Das bedeutet, dass wir von der Heiligen Dreifaltigkeit der orthodoxen Theologie ein spezielles, sehr eigenartiges Bild haben. Gott den Vater stellen wir uns in war­men, persönlichen Begriffen vor. Von Gott dem Wort (das heißt dem Logos) sprechen wir zumeist als von Gott dem Sohn und den­ken an persönliche Bilder, die von Bethlehem bis Nazareth und Jerusalem reichen. Mit dem Heiligen Geist ist es jedoch völlig an­ders! Sowohl das sächliche Hauptwort als auch die biblischen Bilder von Feuer und Salbung führen uns weg von einer persönlichen und hin zu einer unpersönlichen Vorstellung vom Geist als einer Göttlichen Persona­lität zum Geist als einer Göttlichen Ausströmung. Und die Überset­zung ins Deutsche zwingt uns dazu, sobald wir vom „Heiligen Geist“ an­statt von der „Ruachmutter“ reden, männliche anstelle von weibli­chen Artikeln zu verwenden. Wie unglückselig und bedauerlich! Im Evangelium von Johannes lädt uns Jesus ein, über die Ruachmutter nachzudenken, sie zu erwarten und zu erfahren. Und er spricht von dem dritten Mitglied der Göttlichen Familie in sehr persönlichen Be­griffen. In Wahrheit forderte er seine JüngerInnen dazu auf, sich die Ruach­mutter auf die selbe persönliche Art und Weise vorzustellen, wie er sie erfahren hatte, nämlich durch die Taufe im Jordan: „Da kam Jesus von Galiläa an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen. Doch der wollte ihn daran hindern und sagte: ‚Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden – und du kommst zu mir?’ Jesus erwiderte ihm: ‚Lass es jetzt so geschehen. Denn gerade so geziemt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.’ Als Jesus nun getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser. Und siehe, da taten sich sich die Himmel auf, und er sah die Ruach Gottes wie eine Taube herabkom­men, zu ihm hin. Und siehe, eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Das ist mein Sohn, dem meine Liebe gehört, ihn habe ich erwählt.’“ (Mt 3,13-17)[2]

Jegliche Übersetzung ist zugleich auch eine Form von Interpreta­tion. Die besten Übersetzungen dehnen die Sprache, übertragen die Bedeutung, das Versmaß und den Stil des Originals, während sie zu­gleich Integrität und Sprachschönheit in ihrer eigenen Sprache errei­chen. Übersetzung erfordert notwendigerweise unzählige subjektive Entscheidungen. Wie kann man „Adam übersetzen“? „Mann“ ist eine vollkommen korrekte Wiedergabe des Hebräischen, aber ebenso „Menschheit“. Streng wörtliche Übersetzungen vom Hebräischen ins Englische sind aufgrund der grammatikalischen Unterschiede nahezu fast unmöglich; hebräische Substantive haben ein Geschlecht, was Veränderungen in den verbalen Formen bedingt. Zudem werden im Hebräischen und im Englischen die Zeitformen unterschiedlich behandelt. Ein Problem, welches besonders in der Übersetzung des Neuen Testaments vom Hebräischen und Aramäischen ins Englische auftritt, ist das Geschlecht von Ruach haKodesh (Heiliger Geist). Das Deutsche unterscheidet sich sehr von Hebräisch und Aramäisch. Zum einen hat Deutsch drei Geschlechter: männlich, weiblich und sächlich. Im Hebräischen und Aramäischen ist alles entweder „er“ oder „sie“, ein „es“ gibt es nicht. Außerdem spielt das Geschlecht im Hebräischen und Aramäischen eine viel wichtigere Rolle als im Deutschen. Im Deutschen ist ein Geschlecht für gewöhnlich nur ein Problem im Zusammenhang mit dem Pronomen. Doch im Hebräi­schen und Aramäischen können Substantive und Verben auch männ­lich oder weiblich sein. Und während es im Hebräischen keine wirk­lichen Adjektive gibt (Hauptworte werden auch als Adjektive ver­wendet) müssen Hauptbestimmungsworte im Geschlecht mit dem Substantiv übereinstimmen. Das hebräische Wort RUACH (ara­mäisch RUCHA) ist grammatikalisch weiblich, so wie die Phrase Ruach haKodesh. Dies passt zu der Rolle von Ruach haKodesh als Trösterin (Joh 14,16) und der Verwendungsart von „Trösterin“ mit dem als „Mutter“ agierenden JHWH (Jesaja 66,13).

Laut Schüngel-Straumann lässt sich die Bedeutungsbreite von Ruach in drei Hauptgruppen einteilen:[3]


a) Ruach als Wind/Sturm,

b) Ruach des Menschen (Atem, Geist, Lebenskraft),

c) Ruach Gottes (Geist, Lebenskraft).



Für uns interessant ist in erster Linie c) sowie die Verbindungen zur Chokmah.

Aus der Sicht des heutigen Christen weist der Theologe Thomas Schipflinger auf die berechtigte Frage nach dem Göttlich-Weiblichen hin. Gott sei Vater, doch wo ist die Mutter? Gleich zu Beginn der Genesis begegnet uns der „Geist Gottes“ in Gen 1,2: „Der Geist Gottes brütete [schwebte] über den Wassern.“ Die Ruach scheint hier eine Person neben dem Vatergott zu sein, in vergleichbarer Wei­se wie die Chokmah in diversen Stellen. Milton, der aus dem Talmud schöpfte, schrieb in „Paradise Lost“ (1,17-22):[4]


Oh Geistin, die du als erste gegenwärtig warst,

und mit mächtigen ausgebreiteten Schwingen

taubengleich über dem Abgrund brütetest

und ihn schwanger machtest...

Nicht nur in der Genesis 1,2 brütet die Ruachmutter wie eine Taube über den Wassern und erscheint so wie eine Muttergöttin. Auch im babylonischen Talmud Chagigah ist dies der Fall, doch Si­mon ben Zoma schreibt ihr hierbei auch eine Schuld zu. Denn sie habe nur über ihren Jungen geschwebt, ohne sie zu berühren, worauf sie tot zu Boden fielen. Diese Dämonisierung des Göttlich-Weibli­chen ist ein typisches Zeichen der Androzentierung, die im Lauf der Geschichte stattfand.

Laut Schipf­linger gibt es in der Religionsgeschichte manche Hin­weise, die das Urschöpferische als Vogelmutter definieren, welche hütet und nährt, so wie die Dao im Dao-De-Jing, Spr. 10.[5] Doch wir brau­chen gar nicht so weit in den Fernen Osten zu gehen. Schipf­linger zufolge wurde der Heilige Geist aufgrund der Erzählung von der Taufe Jesu (Lk 3,21-22 par.) in der christlichen Ikonographie als Taube dargestellt. Das Symbol der Taube reicht allerdings sehr viel weiter zurück: Sie war der heilige Vogel der Göttin Ištar, später auch Astarte, Aphrodite-Venus und Sophia, und fungierte als ihr Liebes­bote, hatte also praktisch die gleiche Funktion wie bei der Ruach. Im Hohenlied versinnbildlicht die Taube die Braut (Hld 6,8; 5,2; 2,10), und noch bei den Evangelisten war das gebräuchliche Wort für „Tau­be“ nicht das hebräische „Zipporah“, was die wörtliche Übersetzung wäre, sondern das vom Babylonischen stammende Perištara, was na­türlich von Ištar und ihren Darstellungen mit der Taube herrührt.[6]


Von der Ruachmutter des ATs zum Heiligen Geist im NT

Ein besonderes Problem bei der Frage der Weiblichkeit Ruachs ist natürlich die Erzählung von der Unbefleckten Empfängnis und Jungfrauengeburt Marias. Das aus dem 2. Jahrhundert stammende Philippus-Evangeli­um reflektiert dies wie folgt.

„Einige sagten: ‚Maria ist vom heiligen Geist schwanger geworden.’ Sie sind im Irrtum. Sie wissen nicht, was sie sa­gen. Wann ist je eine Frau von einer Frau schwanger gewor­den?“ (§ 17)

Damit verdanken wir dem Autor des PhilEv eine wichtige Klar­stellung. Denn die Heilige Schrift, vor allem das Evangelium von Lukas, sagt aus, dass Maria, die irdische Mutter Jesu, vom Heiligen Geist schwanger geworden sei - doch die Ruachmutter kann es nicht gewesen sein, da sie ebenfalls eine Frau ist. In dem Versuch, das Problem zu lösen, beschreitet Schipflinger einen lobenswerten, weil Harmonie suchenden, aber recht unsicheren Pfad, wenn er versucht, die „Empfängnis vom Heiligen Geist“ Marias nicht als Einpflanzung des Samens, sondern als mütterliche Bereitung umzudeuten. „Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchs­ten wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.“ Diesen Satz liest er so, dass der Heilige Geist über Maria kommt und sie mütterlich be­reitet, damit sie fähig wird, die Kraft des Allerhöchsten, sprich den Samen und somit den Sohn Gottes in sich aufzunehmen. Der Begriff des „Empfangens“ wird uminterpretiert als ein „Entgegennehmen“ des Logos aus der Hand der Ruach, die den Sohn vom Vater in ihre mütterlichen Hände gelegt bekommen habe.[7] Zeugnisse eines ähnli­chen Verständnisses finden wir bei Cyprian, der in den gottgeweih­ten Jungfrauen die „schönsten Sinnbilder des Heiliges Geistes“ sah, bei Johannes Chrysostomos, der die Eucharistie die „Milch aus der Mutterbrust des Heiligen Geistes“ nannte oder in der Didaskalia des 4. Jahrhunderts, wo die Diakonissinnen als „Bilder des Heiligen Geistes, die man ehren muss“ gelten.[8] Eine verwandte Auffassung findet sich auch bei Makarios, einem Vertreter der Syrer: Seiner Be­schreibung nach ist der Geist eine sorgende und nährende Mutter, und zwar unter Berufung auf die paulinischen Texte – und das, ob­wohl Paulus nicht vom Geist als Mutter spricht. Folglich muss Ma­karios, wie Wodtke-Werner ganz richtig schlussfolgert, dafür Vor­stellungen aus seinem eigenen Wirkungskreis verwendet und mit den Schrifttexten verknüpft haben.[9] Zu diesen vier Sinnbildern muss man sagen, dass sie zwar von einem Verständnis einer „Heiligen Geistin“ zeugen, die Umdeutung der Empfängnis nach Schipflinger aber nicht unbedingt unterstützen. „Empfängnis“ ist ja genaugenom­men ein fester Begriff, der sich letztendlich vom Geschlechtlichen ableitet und quasi das ergänzende Gegenstück zur Zeugung darstellt. Von daher verbietet sich eigentlich eine Wortspie­lerei, wie sie uns Schipflinger liefert. Sicherlich recht hat er natür­lich, wenn er auf die Zusammenhänge von Frau Weisheit und der Ruachmutter verweist, ohne allerdings Stellen zu nennen, was dafür aber Schüngel-Strau­mann bringt:

Wsh 1,4-7: In Vers 5 werden Sophia und Ruach in Verbindung gesetzt, um durch den „Heiligen Geist“ die Gestalt der Sophia zu er­hellen;[10] dies noch verstärkt, ja vergöttlicht findet sich in Wsh 7,22ff.: Die Ruach, die sich in der Sophia befindet,[11] weitere Ver­bindungen außerdem in Wsh 9,17 und 12,1. So mag es nicht verwun­dern, dass immerhin drei Kirchenväter – Theophilus von Antiochien, Irenäus von Lyon und Rufinus von Palästina die Ruach mit der So­phia identifizieren.[12]


Die Ruachmutter in der Gnosis

Ein besonders schönes Beispiel für das Verständnis der Ruach in der Gnosis findet sich in den apokryphen Thomas-Akten (50,166), einem die Taufe begleitenden Weihegebet, das wie folgt lautet:

„Komm, du höchstes Geschenk, komm, vollkommene Barmher­zigkeit,

komm, Genossin des Männlichen, komm, heiliger Geist.

Komm, du Kennerin der Geheimnisse des Auserwählten,

Komm, die du in Allem Teil hast an den Kämpfen des edlen Kämpfers,

komm, du Schatz der Herrlichkeit, komm, du Liebling der Barm­herzigkeit des Höchsten.

Komm, du Schweigerin, die du offenbarst die Großtaten der gan­zen Größe.

komm, die du Verborgenes enthüllst, und die Geheimnisse kund­tust.

Komm, heilige Taube, die du die jungen Zwillinge geboren hast,

komm, verborgene Mutter, die du durch deine Taten offenbar bist.

Komm, du Spenderin der Freude und der Ruhe für Alle, die dir anhangen.

Komm, teile dich uns mit in dieser Eucharistie, die wir in dei­nem Namen begehen

und in dem Liebesmahl, zu dem wir versammelt sind auf deinen Ruf.

Die Ruach ist hier die Braut des Ur-Vaters und die Paargenossin des Männlichen. Die Bezeichnung als „heiliger Geist“ und als „Tau­be“ versichert uns, dass hier wirklich die Ruachmutter gemeint ist, und die Bezeichnung „Schweigerin“ deutet darauf hin, dass mit ihr zugleich auch die gnostische Äonin Sige („Schweigen“), also die Ur-Mutter, die mit dem Ur-Vater Bythos zahlreiche Zwillingspaare in die Welt setzte, verwoben wurde.

In einer Variante betet der Heilige Thomas über einen indischen Prinzen, den er taufen will:[13]

Komm, Mutter der Barmherzigkeit,

Komm, Mutter, die du die verborgenen Geheimnisse offenbarst;

Komm, Mutter der sieben Häuser, damit wir in dem achten Hau­se zur Ruhe kommen mögen.

Die sieben Häuser, deren Mutter der Heilige Geist ist, sind, wie Gruber schreibt, „ohne Zweifel die sieben Planetenhimmel, von de­nen alle Gnostiker reden“, und der Heilige Geist heißt Mutter der sie­ben Planetenhimmel, weil die über die Planeten herrschenden mäch­tigen Geister von ihr herstammen.[14] Hier haben wir ei­ne An­deutung, die an Maria Magdalena gemahnt, besonders wenn wir an das MarEv und die dortigen sieben Sphären, Existenzebenen – oder eben Planeten – denken!

Irenäus teilt uns mit, dass bei den Valentinianern der Heilige Geist die Gemahlin des Christus sei,[15] und in dem der valentiniani­schen Gnosis zugeschriebenen Philippus-Evangelium aus dem 2. Jahrhundert ist es ebenfalls offensichtlich, dass der Heilige Geist von den frühen Christen als Element des Göttlich-Weiblichen aufgefasst wurde.

Für die Ophiten und Sethianer ist der Heilige Geist die Mutter Je­su im Himmel, die ihren Sohn auf die Erde herabsendet, und die Markosianer tauften, Irenäus zufolge, die Neulinge in ihrer Sekte auf den Namen des unbekannten Vaters, „auf die Wahrheit, die Mutter aller Dinge, auf denjenigen, der auf Jesus herabgekommen ist zur Ve­reinigung, zur Erlösung, zur Gemeinschaft der Tugenden. Der auf Jesus Herabgekommene ist der Himmlische Christus, der sich mit dem irdischen Jesus von Nazareth vereinigte, und die Wahrheit be­ziehungsweise „Mutter aller Dinge“ folglich niemand anders als der Heilige Geist, aus dem Christus geboren ist.[16]

Der Häretiker Simon Magus soll, Epiphanius zufolge, seine Hele­na, genauer die in ihr gedachte Äonin als „Heiligen Geist“ und „Mutter aller Geister“, wie auch „Engel der Seelen“ genannt ha­ben.[17] Wiederum nach Epiphanius lehrten auch die Ossener, eine jü­dische Sekte, dass der Heilige Geist eine weibliche Person und dem Christus ähnlich sei.[18]


Ruach in der Ikonographie

Nicht nur das AT und die Apokryphen, sondern auch die Ikono­graphie liefert uns wertvolle Hinweise zur Ruachmutter. In der Nähe von Prien am Chiemsee befindet sich das Dorf Urschalling, und die­ses beherbergt eine Kostbarkeit, die uns das Geschlecht der Ruach auch bildlich vor Augen führt: Das dortige Gotteshaus wurde zwischen 1160 und 1200 errichtet und mit Fresken ausgestattet. Ei­nes davon zeigt eine Göttliche Triade, die so gar nicht im Sinne der Kirche ist: Sie hat zwei Hände und ein Übergewand, aber drei verschiedene Oberkörper. Links ist Gott Vater mit weißem Bart, rechts Jesus mit blondem Bart zu erkennen. In der Mitte aber befin­det sich der Heilige Geist, eindeutig als Frau mit weichen weiblichen Formen, langem Haar und vollem Busen dargestellt. Als man im Jahr 1923 die Kirche restaurierte, ergaben Untersuchungen, dass dieses Fresko im Jahre 1550 übermalt worden und deshalb lange Zeit unbekannt geblieben war.[19] Daran mag man erkennen, wie wichtig es für die Römisch-Katholische Kirche gewesen sein muss, die Weib­lichkeit der Ruach zu verbergen, denn dies hätte zum einen das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis und die Lehre von der Überschattung der Jungfrau durch den „Geist Gottes“ ernsthaft in Frage gestellt. Zum andern aber ist – vielleicht noch wichtiger – be­reits an dieser Stelle festzuhalten, dass auch Maria Magdalena mit der Ruach identifiziert wurde, was bereits im frühen dritten Jahrhun­dert durch den Kirchenvater Hippolyt, den ersten Gegenbischof von Rom, erfolgte, auch wenn dies später wieder verdrängt wurde, was nicht ohne Grund geschah. Denn wenn wir an den Bibelstellen, wo vom „Geist Gottes“ die Rede ist, stattdessen „Maria Magdalena“ oder gar „Ištar“ lesen würden, ergäben sich natürlich völlig neue Erkenntnisse hinsichtlich dieser Gestalten und auch Jesus selbst.


Ruach in der christlichen Tradition

In der christlichen Tradition besteht durchaus eine gewisse Kon­tinuität von der Anschauung der Ruach als weibliche Gestalt. Der berühmte Kirchenvater Origenes sprach: „Die Seele ist die Magd ih­rer Herrin, dem Heiligen Geist.“ Von Origenes stammt auch der Spruch: „Stracks nahm meine Mutter, der Heilige Geist, mich an ei­nem meiner Haare und trug mich hinauf zum großen Berg Tha­bor.“[20]

Der große Kirchenvater Hieronymus schrieb in vergleichbarer Weise: „Dann nahm meine Mutter, der Heilige Geist, mich an einem meiner Haare.“[21]

Bei Wodtke-Werner finden wir weitere Beispiele:

– Der Heilige Geist als mütterliche Caritas, bereits bei Augusti­nus beginnend und ausführlich bei Bernhard von Clairvaux,[22]

– Der Heilige Geist als Mutter der Tugenden, so bei Praepositi­nus von Cremona, Bonaventura, Petrus Lombardus,[23]

– Der Heilige Geist als kosmische Liebeskraft, besonders bei Hil­degard von Bingen, den Nonnen von Helfta, und selbst bei Thomas von Aquin(!)[24]

In der protestantischen Tradition wären nach Luther, der sich nicht zu schade war, den Heiligen Geist in weiblichen Begriffen zu denken, das Ehepaar Johanna E. und Johann W. Petersen, Jakob Böhme, Gottfried Arnold und Graf Nikolaus L. von Zinzendorf zu nennen, die ausführlich vom „Mutter-Amt des Heiligen Geistes“ handeln. Bei Zinzendorf, der die Trinität als „Göttliche Familie“ cha­rakterisiert und eine ausgefeilte Familien­trinität erarbeitete, nimmt die Ruach dabei die Rolle der Mutter ein.[25] Systematische Modelle zur Familientrinität stellte Hermann Häring vor und versuchte dabei die weibliche Rolle von Ruach hervorzuhe­ben, wobei er sich auf Feuerbach und Scheeben beruft.[26]

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass die Ruach letztlich von einer Göttin herrühren muss, wenn auch nicht ganz so klar erkennbar wie bei der Chokmah und Sophia, mit der sie zudem noch vermengt ist, und dass sich somit hier ein Bezug von Maria Magda­lena zur ar­chaischen Göttin andeutet. Zu diesem Schluss gelangt auch Christa Mulack, die schreibt, dass hinter der „Heiligen Geistin“ eine mit Je­sus in enger Verbindung stehende Weisheitsgöttin gestan­den haben muss.[27] Sie erwähnt, dass noch im 13. Jahrhundert eine Frau als Verkörperung der Ruach verehrt wurde.[28]


Ruach und Maria Magdalena

a) Bei Hippolyt

Einen wichtigen Aspekt liefert uns die Beschäftigung mit dem Hippolyt, dem ersten Gegenpapst von Rom. Dieser schreibt in sei­nem Kommentar zum Hohenlied: „Siehe, mein Freund, mein Schö­ner („meine Schöne?“), du bist schön, deine Augen sind wie Tau­ben.“[29] Dies ruft der Bräutigam, nach Hippolyts Ansicht, weil er den Heiligen Geist gesehen hat! Ob des Geschlechts des oder der Angesprochenen ist sich Hippolyt anscheinend unsicher. Es steht je­doch außer Zweifel, dass diese Anrede an Sulamith gerichtet ist, ob­wohl es hier „Freund“ heißt, und nicht „Freundin“, was wohl die korrektere Übersetzung wäre. Und wenn tatsächlich, was der Text des Hohenliedes selbst nahelegt, Sulamith gemeint ist, sagt Hippolyt damit bewusst oder unbewusst aus, dass diese Frau das Abbild der Ruachmutter ist. Denn er bezieht es hier auf den Heiligen Geist, der im Sinnbild der Augen die neue Kirche erleuchtet. Auf Maria Mag­dalena bezogen, bedeutet dies: Die Ruachmutter alias Maria Magda­lena ist diejenige, welche die Kirche lehrt, denn Ruach, Sulamith und Maria Magdalena sind miteinander verknüpft und assoziierbar, wor­auf vor allem das Symboltier der Taube, die Salbe und die Suche hinweisen. Und auf der Darstellung des Albani-Psalters von Hildesheim wird Maria Magdalena bekanntlich als Apostelin dargestellt, welche die Jünger lehrt. Dass Hippolyt in Sula­mith selbst sinnbildlich die Taube sieht, geht auch aus seiner Ausle­gung zu Hld 2,10-14 hervor.[30] Dies ist auch nicht verwunderlich, denn schließlich bezeichnete Salomo selbst seine Geliebte mit dem Namen dieses Tiers. Das so bedeutende Symbol der Taube passt im übrigen auch hervorragend zu dem Bild von der christlichen Syzy­gie, um die es bei Valentinus geht. Und gerade bei den Valentinia­nern und ihren Nachfolgern spielt ja Maria Magdalena eine beson­ders große Rolle, vor allem im PhilEv und der PiSo. Da ferner Ruach in ihrer Symbolik auf die ar­chaischen Göttinnen, besonders Ištar, Astarte, Aphrodite zurückzu­führen ist, wird somit Maria Magdalena dadurch in die Nähe der Göttin gerückt.[31]

b) Bei Origenes

Origenes brachte Ruach nicht direkt mit Maria Magdalena in Verbindung, sondern über einige Umwege. Wie Irene Dalichow schreibt, bezeichnete Origenes Maria Magdalena unter anderem als „Unser aller Mutter“, „Von Beginn aller Zeit an lebend“ und „uns­terblich“,[32] Barbara Walker folgt ihr in ihrem Lexikon „Das gehei­me Wissen der Frauen“ darin. Die von Origenes verwendeten Attri­bute treffen sowohl auf die Ruachmutter als auch auf Sophia zu und stammen aus seinem Kommentar zum Hohenlied, einer wiederum stark von Platons Symposion beeinflussten Arbeit, was beson­ders darin erkennbar ist, dass die obere und untere Sophia der Gnosis die hohe und niedere Aphrodite zum Vorbild zu haben scheint.[33] Zu­gleich gibt es auch gnostische Systeme, die nur eine Sophia kannten und über ihr die Ruachmutter dachten.[34] Maria Magdalena aber gilt als die Inkarnation von Sophia, und ich darf an dieser Stelle abermals an die Konstellation erinnern, die einst Hans-Martin Schenke vor­schlug: Ruach und Christus als Paar im Pleroma, Sophia und Soter im Zwischenreich (Ogdoad), Maria Magdalena und Jesus auf der Er­de. Eine deutlichere Verbindung von Maria Magdalena zur Ruach­mutter beschreibt Origenes, wenn er schreibt: „Wenn die Braut-See­le-Maria die Füße des Bräutigams-Christus-Wort salbt, ist die ganze Kirche erfüllt vom Duft des Heiligen Geistes.[35] Dass er hier die Sün­derin aus Lk 7,36-50 mit Maria Magdalena vermengt, spielt dabei keine Rolle, da Origenes sowohl die Marien aus Magda­la bezie­hungsweise Bethanien wie auch die besagte Sünderin des Lu­kas in unterschiedlichen Zusammenhängen öfters durcheinanderbringt, teil­weise auseinanderdividiert und an anderer Stelle wieder vereinigt. Worauf es ankommt ist, dass in seiner Aussage tatsächlich Maria Magdalena gemeint ist.

c) Bei Augustinus

Hinsichtlich Augustinus von Hippo können wir uns kurz fassen: Dieser Kirchenvater sagte, dass der Heilige Geist Maria Magdalena zur „Apostelin der Apostel“ gemacht habe! Ferner bezeichnet er sie als „Apostelgleiche“.

Das Studium der einzelnen NTlichen Schriftstellen erweist, dass diese Aussagen der Kirchenväter nicht ohne Grund waren! Wir finden in ihnen etliche weitere Verbindungen von Ruach zu Ma­ria Magdalena. (Mehr dazu siehe in meiner Arbeit „Maria Magdalena und ihr Sohn Johannes Markus im Johannesevangelium“, München 2015). Leseprobe, Info und Bestellmöglichkeit bei GRIN


Die Ruachmutter und Maria Magdalena bei der Taufe Jesu

Bei der Taufe Jesu im Jordan bezeugt Johannes der Täufer:

1,32 „Ich sah, dass die Ruach vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.

1,33 Und ich konnte ihn nicht sehen; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: ‚Auf wen du aber die Ruach herabkommen siehst und auf wem sie bleibt, der ist es, der mit der Heiligen Ruach tauft.’“

Gleichwohl, welche Version man hier liest: Vom Heiligen Geist nach christlicher Lehre konnte zur Zeit Jesu noch keine Rede sein; Ruach war im AT eindeutig weiblich und gelangte in seiner männli­chen Form erst bei Lukas ins NT. Die früheste Fassung dieses Evangeli­ums stammt aus dem Jahr 48 oder 49, also mindestens 15 Jahre nach der Auferweckung Christi. Zu der Zeit, in der der bei Audlin wieder­gegebene Bericht des Johannesevangeliums stattgefunden haben soll, also im Jahr 29, war die Ruachmutter im Glauben der Juden vorhan­den, und zur Zeit der Taufe Jesu hatte der „Geist Gottes“, davon muss man ausgehen, noch eine völlig andere Bedeutung. Vor allem aber war „er“ weiblichen Geschlechts – die Ruachmutter. Wenn aber derjenige, auf den die Ruachmutter herabkommt, identisch mit ihr selbst ist (1,33b), so wird damit a) die Himmlische Einheit der Bei­den zum Ausdruck gebracht, b) ausgesagt, dass es die Himmlische Mutter ist, die Jesus beauftragt, in ihrem Namen zu taufen.

Auf kaum noch nachvollziehbare Weise sind verschiedene Ele­mente der Göttinnen in den hebräischen Begriff und die Vorstellung von der Geistmutter eingeflossen, wobei sich auch männliche Aspek­te dazugesellten. Aus einer Göttin, und zwar aus einer Taubengöttin, hatte man im Lauf langer Jahrhunderte die Ruachmutter gemacht. Diese Gestalt bot sich an, um sie anstelle der alten Muttergöttin in den Text von der Taufe Jesu einzusetzen, hatte aber für manche Fa­natiker immer noch den Makel, dass sie weiblichen Geschlechts ist. Weil viele mit der jüdischen Tradition verbundene christliche Schrei­ber, Bearbeiter und Übersetzer der biblischen Texte dies er­kannt hatten und neben ihrem Vatergott keine Göttin dulden wollten, wurde aus der Ruach später durch Überset­zung des NTs ins Lateini­sche der Heilige Geist „Spiritus Sanc­tus“.[36] Dieser besaß nun end­lich – im Gegensatz zur Abfassungszeit des Lukasevangeliums – das erwünschte Geschlecht, um der ver­meintlichen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu, zur Geburt Jesu in der Art und Weise zu verhelfen, wie es von den apostolischen Kräften der Urkirche erwünscht war.

Die Symbolik der Taube für die Ruachmutter ist sehr alt. Sie geht bereits auf den Anfang der Ge­nesis zurück, wo die Ruach in Gestalt der Taube über den Wassern schwebt beziehungsweise brütet (Gen 1,2). Ruach ist dort eine offen­bar alleinstehende, eigenständige Göttin neben dem Götterpaar Eloha und Eloh. Von einer Jahweverehrung konnte damals – entgegen al­lem, was uns die Kirchen glauben machen wollen – natürlich noch keine Rede sein. In Genesis 8 ist es wieder die Ruachmutter in Ge­stalt der Taube, die Noah aus den zerstörerischen Kräften der Wasser und des Windes an trockenes Land führt. Auch Psalm 55,6-8 und Je­remia 48,28 haben im Sinnbild der Taube mit dem Thema Sicherheit und Errettung zu tun.[37]

Der für unser Thema wichtigste Zusammenhang erschließt sich vor allem aus dem Hohenlied. Dort sind sowohl Sulamith als auch ihr Geliebter an mehreren Stellen mit der Taube, also gleichsam der Ruachmutter verknüpft. Fünfmal ist von Sulamith im Sinnbild der Taube die Rede (1,15; 2,14; 4,1; 5,2b; 6,9), einmal von Salomo (5,13). Im Hohenlied treffen wir zudem erneut auf das Thema der Errettung, denn es ist die Braut Sulamith, die ihren Geliebten erret­tet, indem sie ihn ins Haus ihrer Mutter bringt (Hld 3,4). Da Sula­mith stets mit Ma­ria Magdalena assoziiert wurde, ist dies hinsichtlich Letzterer natür­lich von größter Bedeutung, gerade auch im Zusam­menhang mit der Ruachmutter. Bedenken wir hierbei den Bezug zum Thema Sicher­heit und Erlösung, erscheint es von daher auch sehr wahrscheinlich, dass Maria Magdalena bei der Auferstehung Jesu eine nicht zu unter­schätzende Rolle gespielt haben dürfte. Bei der Taufe im Jordan bringt sie ihn auf den Weg seines öffentlichen Wir­kens, und nach seinem Leiden und todesähnlichen Zustand am Kreuz führt sie ihn aus dem Dunkel des Grabes hinaus ins Licht des Oster­morgens. Die Todes- und Auferstehungssymbolik sowohl in Joh 1,43 als auch 19,25 und 20,18 sprechen hier eine klare Sprache.[38]

Hinter der Taube also, die sich bei seiner Taufe im Jordan auf Je­sus herabsenkt, verbirgt sich, was auch die Arbeit von James David Audlin nahelegt, sowohl die Ruachmutter als auch eine Maria. Es muss eine Priesterin gewesen sein, die Jesus taufte, und zwar eine Maria – ent­weder Maria Magdalena oder Maria von Bethanien. Wie beim Abschnitt über Hippolyt gesehen, steht Ma­ria via Sulamith stark in Verbindung mit der Taube.[39]

Die Taube ist nicht nur ein Symbol­tier der Ruachmutter, sondern auch von Sophia, Ištar, Aphrodite und nicht zuletzt der in Samaria verehrten Göttin Ashima. Die ek­lektischen Samariter, die wohl erste jüdische Sekte, verehrten einst eine Taube auf dem Berg Garizim, und laut Audlin ist dies der Berg, auf dem Maria Magdalena als Priesterin tätig gewesen sein soll.[40] Einen möglichen Hinweis bietet uns auch der häufige Gebrauch des Jesuswortes amen. Amen ist der ägyptische Gott des Windes, und der Wind ist eines der Attribute der Ruachmutter, und amenu heißt auf ägyptisch Taube![41] Somit könnte es sehr gut sein, dass das Je­suswort amen auf Maria Magdalena hindeutet, und außerdem darauf, dass das Land ihrer Herkunft Ägypten ist!

Bedeutend ist auch der Satz, den Johannes der Täufer in 3,29 spricht: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.“ Die Braut ist niemand anders als die Ruachmutter, mit der sich Jesus beim Ritual der Taufe im Jordan auf eine geistige Weise vermählte. Die Inkarnation dieser Ruachmutter, Maria Mag­dalena, kannte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch vor der Hin­tergrund der Verbindungen von Ruach zu Maria Magdalena kann man dies durchaus als Prophetie auf die darauffolgenden Ereignisse verstehen: Die Hochzeit von Kana - die Hochzeit von Maria Magdalena und Jesus! Daher auch die Freude des Täufers über seine eigenen Worte!

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen ein gesegnetes Pfingst- oder besser: Ruachmutterfest!



Verwendete Literatur

- Audlin, James D.: The Gospel of John. The original version restored and translated, USA 2012.

- Bonwetsch, Nathanel G.; Hippolytus Romanus: Fragmente des Kommentars zum Hohenliede, In: Hippolytus Werke, 1: Exegetische und homiletische Schriften, Leipzig 1897, S. 341-374.

- Dreytza, Manfred: Der theologische Gebrauch von Ruah im Alten Testament, Gießen 1990.

- Gruber, Johann N.: Die Ophiten oder Schlangenbrüder, Würzburg 1864.

- Langbein, Walter-Jörg: Maria Magdalena. Die Wahrheit über die Geliebte Jesu, Berlin 2006.

- Mailahn, Klaus: Maria Magdalena und ihr Sohn Johannes Markus im Johannesevangelium, München 2015.

- Mulack, Christa: Maria Magdalena, Apostelin der Apostel – die Frau, „die das All kennt“, Schalksmühle 2007.

- Muraro, Luisa; Kempter, Martina/Salzberger, Ursula (Üb.): Vilemina und Mayfreda. Die Geschichte einer feministischen Häresie, Freiburg 1987.

- Schipflinger, Thomas: Sophia-Maria. Eine ganzheitliche Vision der Schöpfung, München/Zürich 1988.

- Schüngel-Straumann, Helen: Ruah bewegt die Welt, Stuttgart 1992.

- Wilckens, Ulrich u. a.: Das Neue Testament, übersetzt und kommentiert, Hamburg 1971.

- Wodtke-Werner, Verena: Heiliger Geist oder Heilige Geistin im Trinitätsfresko von Urschalling, In: Die Weiblichkeit des Heiligen Geistes. Studien zur Feministischen Theologie, Gütersloh 1995, S. 177-214.


[27] Mulack 2007, S. 15.

[28] Mulack 2007, S. 15f. Gemeint ist hier Vilemina von Böhmen, die sich als Inkarna­tion der Heiligen Geistin sah. Mehr über sie bei Muraro 1987.

[37] Audlin 2012, S. 273.

[38] Audlin 2012, S. 274.

[40] Audlin 2012, S. 277.

[41] Audlin 2012, S. 278.